05
Okt

Auf den Spuren einer großen Frau: Hildegard von Bingen prägte das Land an der Nahe

Fotos: werner-menzel.de

Europa

 

Leben und Wirken der Ordensfrau Hildegard von Bingen sind untrennbar mit der Naheregion verknüpft. Das Kloster Disibodenberg, von dem heute leider nur eine Ruine verblieben ist, gilt als zentrale Wirkungsstätte Hildegards. So prägte die starke, kluge, weitblickende und selbstsichere Frau die Naheregion wie kaum eine andere. In vielen Orten hat sie ihre Spuren hinterlassen.


Autor: Werner Menzel, Fotos: werner-menzel.de


Als Äbtissin, Medizinerin, Komponistin, Dichterin und Universalgelehrte ist ihr Tätigkeitfeld überliefert. Ihre Schriften befassen sich mit Medizin, Musik, Ethik, Religion, Poesie, Kosmologie und Naturkunde. Sie war nicht nur eine Dichterin, sondern vor allem eine Denkerin. Hildegard von Bingen schrieb mehrere Werke, darunter das berühmte Hauptwerk „Scivias“. Auch Liederbände mit liturgischen Gesängen gehen auf sie zurück.

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Spurensuche im Kurhaus

Wir beginnen unsere Spurensuche in dem kleinen Örtchen Meddersheim bei Bad Sobernheim und treffen hier mit Monika Menschel eine absolute Kennerin Hildegard von Bingens. Die Seniorchefin des Menschels Vitalresort weiß nicht nur detailliert über das Leben und Wirken zu berichten, sondern „lebt“ die Lehren Hildegards in ihrem Kurhaus heute noch aktiv nach. Als Kultur- und Weinbotschafterin der Nahe ist sie es auch, die uns mit zahlreichen weiterführenden Tipps in der Nachbarschaft versorgt.

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Pilgerwanderweg zum Kloster

Der erste dieser Tipps führt uns nach Sponheim, wo wir die Klosterkirche und den dortigen Klosterhof besichtigen. Bis zur Burgruine Sponheim, von der man eine herrliche Aussicht auf das Nahetal hat, sind es nur wenige Kilometer. Wer nun noch mehr historische Wegstrecken erkunden möchte, dem sei der Hildegard von Bingen Pilgerwanderweg ans Herz gelegt: Insbesondere die vierte Etappe von Monzingen zum Disibodenberg hat es uns angetan. Die wohl wichtigste Station im Leben der Hildegard von Bingen war das Kloster Disibodenberg, dessen Ruine wir jetzt besichtigen können. Hier lebte sie von 1112 bis 1152 und leitete nach dem Tod ihrer Mentorin und Freundin Jutta von Sponheim die Frauenklause.

Die Herrin von Disibodenberg

Eine der kompetentesten Ansprechpartnerinnen, wenn es um das Kloster Disibodenberg geht, ist Freifrau Luise von Racknitz. Sie ist gemeinsam mit ihrem Mann Vorsitzende der Disibodenberger Scivias Stiftung, in deren Besitz sich das Gelände heute befindet. Angegliedert ist ein Museum am Fuß des Klosterberges. Ein Infobesuch hier ist eine gute Idee, bevor man sich auf den Weg hinauf zu den eigentlichen Ruinen macht.

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Luise von Racknitz begleitet uns freundlicherweise auf unserem Rundgang und eröffnet so Einblicke, die das Leben und Wirken der Nonnen und Mönche auch heute noch im wahrsten Sinne „begreifbar“ machen. Mit circa 15 Jahren legt Hildegard die heiligen Gelübde ab und wird Benediktinerin. Nach dem Tode der Klausnerin Jutta von Sponheim wird Hildegard im Alter von nur 38 Jahren einstimmig zur geistlichen Mutter des sich in der Entwicklung befindenden Frauenklosters gewählt.

Vier Jahre später erhält Hildegard den göttlichen Auftrag, alles zu dokumentieren und zu verkünden, was ihr in dieser ersten und den weiteren Visionen geoffenbart wird. Dies ist der Beginn eines Schriftwerkes, welches in der europäischen Geschichte des Mittelalters beispiellos ist. Ihr erstes und bekanntestes Werk entsteht: SCIVIAS, also übersetzt „Wisse die Wege“, gilt auch heute noch als Standardwerk.

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Radfahrer erleben das Nahetal

Für Radfahrer ist die Klosterruine über den Nahe-Radweg erreichbar – und bietet weit mehr, als die Spurensuche rund um Hildegard. Den Fluss hinauf, den Reben entgegen – Radfahren auf dem Nahe-Radweg ist sportlich und harmonisch zugleich. Wer die Radtour in Bingen beginnt, erlebt das Nahetal besonders intensiv. Die Route folgt stets dem Wasserlauf flussaufwärts, hinein in das kleine, feine Weinanbaugebiet Nahe mit seinen idyllischen Winzerdörfern, wunderschönen Rebenlandschaften und steilen Südlagen wie dem 327 Meter hohen Rotenfels, der höchsten Steilwand nördlich der Alpen.

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Zwischen den Orten Odernheim und Staudernheim beeindruckt mit ihrer landschaftlich reizvollen Lage der Disibodenberg. Radfahrer, die auf dem Nahe-Radweg unterwegs sind, können über den Glan-Blies-Radweg (5. Etappe) einen kurzen Abstecher dorthin machen. Und auch auf eine uralte Weinbaugeschichte kann man am Disibodenberg zurückblicken. Am Südhang des Klosterweinbergs weisen Spuren sogar noch auf alte römische Reben hin. An einer Mauerkante wurden fünf verwilderte Rebstöcke der Sorte „Weißer Orleans“ gefunden, die längst als ausgestorben galt.

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Ausblick, Bier und Kräutergarten

Auf dem Pilgerwanderweg bewältigen wir nun die Etappen drei, vier und fünf und finden beeindruckende Ausblicke über das Tal der Nahe, genießen eine Rast in der Schutzhütte bei Nußbaum oder der an der Pilgerbank zwischen Odernheim und Durchroth. Schließlich weckt der Kräutergarten an der evangelischen Kirche in Monzingen unser Interesse: Auch hier sind Hildegard-Fußspuren noch heute präsent.

Einblicke in die allgemeine Geschichte der Region bietet ein Besuch des Heimatmuseums Priorhof in Bad Sobernheim. Auch hier gibt es einen Kräutergarten, dessen Besuch sich lohnt. Seinen Abschluss findet der Tag in einer Brauereigaststätte der besonderen Art: Denkmalz Disibodenberger Kapellenbrauerei in Bad Sobernheim befindet sich in der ehemaligen Disibodenberger Kapelle und wurde von Geschäftsführer Bruno Schneider zu einem sehenswerten In-Treff ausgebaut. Das Dinkel-Bier dort sollte man kennenlernen.

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Von der Nahe nach Bingen

Nachdem Papst Eugen der Dritte offiziell die Sehergabe Hildegards anerkennt, indem er aus ihrem Werk SCIVIA vorträgt, gründet diese im Jahr 1150 das Kloster Rupertsberg bei Bingen. Die Gemeinschaft im Kloster wächst kontinuierlich an. Hildegard erwirbt aber auch weit über die klösterliche Gemeinschaft hinaus einen hohen Grad an Bekanntheit. Viele Menschen kommen zu ihr, um sie um Rat und Hilfe zu bitten. Hildegard stirbt 1179 im Alter von 81 Jahren auf dem Rupertsberg bei Bingen.

Weitere Informationen 

www.hildegardweg.eu (Infos zum Pilgerweg)
www.disibodenberg.de (Klosterruine und Stiftung)
www.naheland.net (Nahetal und Region)


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