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Aug

conichi bietet Reisenden einen nahtlosen Hotelaufenthalt durch Automatisierung

Europa

Die im Jahr 2014 von Maximilian Waldmann entwickelte App Technologie conichi bietet Reisenden einen nahtlosen Hotelaufenthalt durch Automatisierung wiederkehrender Prozesse und Einbindung digitaler Lösungen wie papierloser Rechnungsstellung oder Türöffnung via Bluetooth. 

Das Hotelbuchungsportal HRS investierte 2016 10 Millionen Euro in conichi und integrierte die Technologie auch in die eigene App, um besonders Geschäftskunden häufiges Reisen komfortabler zu gestalten. Neben mehreren Büros in Europa, besitzt conichi auch Dependancen in China und den USA.

Wir sprachen mit Maximilian Waldmann über seine App conichi.

Rolf Mauer: Herr Waldmann, Sie haben eine App entwickelt, die die Wartezeiten an den Hotelrezeptionen dieser Welt reduzieren soll. Warum so eilig, kann es nicht von Vorteil sein, ein paar Minuten innezuhalten um „anzukommen“?

Maximilian Waldmann: Lassen Sie mich mit einem Beispiel antworten. Wenn Ich fliege, möchte ich nicht am Check-in Schalter stehen, sondern zeitnah auf meinen Platz, dort fühle ich mich „angekommen“. Ähnlich geht es mir im Hotel. Innehalten ist für das Reiseerlebnis unglaublich wichtig, aber abschalten kann ich eben am besten im eigenen Zimmer. Diesen Zustand der Entspannung schnell und effizient zu gewährleisten ist mein Anliegen, eine Verzögerung beim Check-in hemmt dabei nur.

Rolf Mauer: Erklären Sie uns, was Ihre App leistet und welche Vorteile sie für Gast und Gastgeber im Hotel bietet.

Maximilian Waldmann: Unsere Technologie verknüpft Geschäftsreisende mit Ihren Vertragshotels. Der Reisende kündigt digital seine Ankunft an, übermittelt nötige Check-in Daten und erlaubt so dem Hotel sich auf das Eintreffen bestmöglich vorzubereiten. Der Gast betritt am Anreisetage das Hotel, wird schon erwartet, und kann direkt auf sein Zimmer. Der Hotelier wiederum optimiert durch einen Smart Check-in/out mit digitalen Zahlungen langwierige Prozesse und hat die Chance gezieltes Up-selling zu betreiben.

Rolf Mauer: Wie wichtig wird künftig das digitale Einchecken vor allem für Geschäftsreisende?

Maximilian Waldmann: Business-Travel ist vor Allem vom Effizienzgedanken getrieben. Das Reisen darf nicht von der Arbeit abhalten. Zugleich möchte man aber auch einen guten Service. Das Überspringen oder zumindest Verkürzen des Check-in-Prozesses setzt genau dort an und bildet die erste positive Erfahrung mit einem Hotel. Geschäftsreisende tauschen sich rege über Ihre Erlebnisse aus. Erfolg hat, also was effiziente und angenehme Prozesse in Einklang bringt. Die Digitalwerdung des Hotels bietet genau dafür Möglichkeiten. Der Anstieg um 10% im Business-Travel-Segment bei der Nutzung von Smarthotels ist dafür sicher ein deutliches Indiz.

Rolf Mauer: Was kann Ihre App noch? Mir ist es in amerikanischen Hotels immer zu kalt, schafft es Ihre App, dass man mir ein Hotelzimmer zuweist, dass meine Wunschtemperatur bereits vorhält?

Maximilian Waldmann: Unsere App funktioniert in einigen Hotels bereits als Türöffner. Das eigene Smartphone ersetzt somit den Zimmerschlüssel. Diese Technik kann natürlich weitergedacht werden. Hierzu muss man an das Property Management Systems (PMS) ran, sozusagen an das Herz des Hotels. Wir bauen primär die Infrastruktur. Ist diese aber vorhanden, wäre es kein Hexenwerk, dass Hotels mit unserer App die Wunsch-Temperatur oder die mit Wunsch-Getränken gefüllte Minibar zur Verfügung zu stellen.

Rolf Mauer: Werde ich nicht noch abhängiger vom meinem Smartphone?

Maximilian Waldmann: Wir möchten das Reisen leichter machen und gehen in Sachen Smartphone mit dem klaren mobilen Trend. Das ist aber nur ein Angebot, Sie können schließlich Ihr Telefon ausmachen und das Hotel wie früher, sozusagen analog nutzen oder eben online an Ihrem PC einchecken, so wie Sie es vor einem Flug bereits gewohnt sind.

Rolf Mauer: Gast und Gastgeber müssen sich aber nicht mehr zwangsläufig begegnen. Entfremdet das digitale Einchecken nicht schon beim Ankommen?

Maximilian Waldmann: Jeder hat die Wahl und kann sich auf bewährte Weise anmelden – das Gefühl, dass dort jemand ist, der sich um meine Anliegen kümmert, wollen wir nicht ersetzen. Aber gerade auf Geschäftsreise möchte man nach einer langen Anreise oft nur noch auf sein Zimmer. Einchecken wird dann nicht als persönlich, sondern als lästig wahrgenommen. Das Hotel hat durch uns mehr zeitliche Ressourcen und kann diesen Service dem Reisenden an anderer, „persönlicherer“ Stelle zurückgeben.

Maximilian Waldmann. Foto: MIKA-fotografie-Berlin, www.mika-fotografie.de

Rolf Mauer: Wie halten Sie es mit dem Datenschutz? An wen berichtet Ihre App? Können Sie in Zukunft den Geschäftsreisenden zum gläsernen Kunden machen?

Maximilian Waldmann: Auch ohne die anstehende DSGVO stellt Datenschutz schon immer eines unserer Kernthemen dar. Wir stellen sicher, dass die Reisenden wissen, was mit ihren Daten passiert. Auch Zahlungsdaten, und das ist nicht Usus, werden verschlüsselt. Daten gehören immer nur dem Reisenden und dem Hotel.

Rolf Mauer: Aktuell ging eine Meldung durch die Presse, dass militärische Standorte durch die Nutzung einer Sport-App enttarnt wurden. Wie digital möchten Sie selbst durch die Welt reisen, wie digital sollten wir leben?

Maximilian Waldmann: Ich liebe es bequem, also kann meine Antwort nur lauten – sehr. Also mit der Wunschtemperatur und der nach Wunsch bestückten Minibar. Ich sehe es so, die Digitalisierung unseres Alltags ist nicht aufzuhalten und das ist im Großen und Ganzen auch positiv. Oder möchten Sie noch ohne Smartphone leben? Zugleich zeigt Ihr Beispiel schön, was es noch in Datenschutz und vor allem Datenschutzschulungen zu investieren gilt. Hier ist die Entwicklung deutlich langsamer vorangeschritten. Auch in Hotels ist es ein offenes Geheimnis das Zahlungsdaten per Email verschickt und gespeichert werden. Dementsprechend ist es uns ein Anliegen Hotels und Unternehmen durch eine Verschlüsselung zu schützen.

Rolf Mauer: Nachdem wir so kritisch hinterfragt haben, welche Vorteile wird die digitale Technik für uns alle bereit halten.

Maximilian Waldmann: Sie gestaltet unsere Reise persönlicher. Dies mag zuerst wie ein Wiederspruch klingen, jedoch hilft die digitale Technik Service-Anbietern wie Hoteliers meinen Aufenthalt individuell nach meinen Wünschen zu gestalten. In Retour hilft digitale Technik also einen Aha-Moment im positiven Sinne zu kreieren. Letztendlich wird so die Zufriedenheit der Kunden oder Reisenden gefördert.

Rolf Mauer: Wie reagiert die Hotellerie auf Ihre Idee?

Maximilian Waldmann: Über 500 Hotels insbesondere mit Business-Travel-Fokus nutzen bereits unsere Technologie. 2014 waren wir sicherlich zu früh am Markt. Heute kann sich fast kein Hotel mehr erlauben, sich keine Gedanken über Geschäftsreisende oder auch die Generation Y und Z zu machen. Was uns sehr zugute kommt. Gerade globale Ketten wagen mitunter Millionen-Investments in das digitale Einchecken. Die Individualhotellerie, in Deutschland, immerhin über 75%, bewegt sich auf diesem Spielfeld allerdings etwas zögerlicher – da gilt es als vergleichsweise kostengünstige und effektive Lösung zu überzeugen.

Rolf Mauer: Was ist heute digital bereits möglich und welche Schwerpunkte sollten Hotels bei der Digitalisierung setzen?

Maximilian Waldmann: Angenommen, das Hotel hat eine gute Distribution, ist man mit einen guten Mix aus Direct und OTA auf der sicheren Seite. Zusätzlich eine gute Website mit einem Fokus auf die operativen Prozesse am Gast. Im zweiten Schritt muss man sich fragen: „Was ist meine Klientel?“ Ein SPA Hotel auf dem Land wird einen mobilen Check-in nicht im selben Maße nutzen können wie ein Business Hotel in der Stadt. Ein schlechtes Erlebnis kann alles kaputt machen. Daher gilt es bei der Implementierung immer wieder sicherzugehen, dass die digitalen Prozesse vom Anmelden bis zum Bezahlen reibungslos ablaufen. Digitalisierung ist die Möglichkeit mehr Buchungen gerade seitens Unternehmen zu bekommen, da diese aktiv nach Hotel suchen, welche ihren Reisenden einen optimalen Aufenthalt bieten.

Rolf Mauer: Was sind die größten Schwierigkeiten bei der Umsetzung neuer Hospitality-Konzepte?

Maximilian Waldmann: Der Markt ist stark fragmentiert und fußt vor allem noch auf veralteten Infrastrukturen. Da es der Hotellerie in Deutschland glücklicherweise noch sehr gut geht, ist man gerade im internationalen Vergleich daher etwas träge. Um auf lange Sicht konkurrenzfähig zu bleiben, heißt es dann aber auch für die deutsche Hotellerie die Trends nicht zu verschlafen.

Rolf Mauer: Auf welche Innovationen im Bereich Business Travel können wir uns in Zukunft freuen?

Maximilian Waldmann: Ich hoffe ja auf den AI-Concierge-Bot, der einen auf der Reise begleitet und besser kennt als der Freund oder die Freundin. Als sicher sehe ich aber, dass Blockchain die Zahlungsabläufe zukünftig sicherer und deutlich günstiger machen wird. Weniger revolutionär dafür ökologischer – auch Papier wird zukünftig egal ob beim Anmelden oder Bezahlen kaum noch eine Rolle spielen.

Rolf Mauer: Vielen Dank für das Gespräch.

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